Promotion im Bereich Designtheorie

Als eine der wenigen Hochschulen in Deutschland bietet die Bergische Universität Wuppertal die Möglichkeit, im Bereich Designtheorie zu promovieren. Nach erfolgreich abgeschlossenem Promotionsverfahren wird der akademische Grad Dr. phil. verliehen.

Aktuell betreut Prof. Dr.-Ing Fabian Hemmert in unserem Studiengang die Promotionen. Bitte wenden Sie sich bei Fragen an ihn: hemmert@uni-wuppertal.de

Die Regelungen des Promotionsverfahrens finden Sie in der aktuellen

Promotionsordnung


Abgeschlossene Promotionen

Sylke Lützenkirchen

uwid.uni-wuppertal.de## Heterogenität im Design – Konflikt- und Kooperationspotentiale in der Zusammenarbeit mit KMU

Sylke Lützenkirchen hat am 04.07.2017 ihre Dissertation am Lehrstuhl von Prof. Dr. Brigitte Wolf an der Bergischen Universität Wuppertal erfolgreich verteidigt. Die Arbeit wurde von der Prüfungskommission (Prof. Dr. Brigitte Wolf, Designtheorie; Prof. Dr. Viola Hartung-Beck, Angewandte Sozialwissenschaften; Prof. Andreas Kalweit, Manufacturing & Material Science; Prof. Dr. Johannes Busmann, Mediendesign; Dr. Marc Grünhagen, Lehrstuhl für Unternehmensgründung und Wirtschaftsentwicklung) mit summa cum laude bewertet.

Zusammenarbeit hat Menschen schon immer zu außergewöhnlichen Leistungen befähigt. Berühmte Bauwerke oder technische Erfindungen mit all ihren stetigen Weiterentwicklungen hätten ohne eine gut funktionierende Zusammenarbeit niemals realisiert werden können. Allerdings beeinträchtigen Konflikte solche Projekte in entschiedender Weise. Sie beeinträchtigen ebenso die Menschen selbst – sowohl psychisch als auch physisch – und beeinflussen ihre Lebensrealität erheblich. Konflikte können Menschen in negativer Weise behindern, aber auch auf positive Weise verändern und nachhaltige Lösungen ermöglichen. Kreativunternehmen entwickeln in der Zusammenarbeit mit kleinen und mittleren Unternehmen neue Ideen, Produkte, Dienstleistungen ebenso wie kunden spezifische Anpassungen und fertigen Unikate oder Prototypen, zumeist nicht-technische Innovationen, so genannte Soft Innovations. Entscheidend ist dabei die Fähigkeit der Kreativen, ihr Wissen zu vernetzen, neu zu kombinieren und in Produkte und Dienste umzusetzen. Geschätzt werden Kultur- und Kreativunternehmen zudem für ihren ganz eigenen Blick auf unternehmerische Fragestellungen und die Fähigkeit, aus neuen Trends konkrete Geschäftsmodelle und Produkte nutzerorientiert zu entwickeln.

Frau Lützenkirchen zeigt in ihrer Forschungsarbeit Konflikte als heterogene Positionen in der Zusammenarbeit von DesignerInnen und ihren AuftraggeberInnen ebenso wie Lösungen zur Veränderung auf. Darüber hinaus beschreibt sie Bereiche, die als beiderseitig wahrgenommene positive Potentiale in der Zusammenarbeit bereits vorhanden sind und diese verstärken können und schließt ihre Arbeit mit einem Anwendungstransfer ab. Ihre Ergebnisse leitet sie aus der für diese Forschung entwickelten qualitativ empirischen Studie narrativer Interviews ab und legt den methodologischen Gegenstand in den Bereich der subjektiven Deutungsmuster, indem Werte, Haltungen und Bedürfnisse von DesignerInnen und UnternehmerInnen analysiert, beschrieben und kontrastiert werden, ebenso wie die subjektive Erfahrung in Bezug auf ihre Zusammenarbeit. Die Forschung gibt Antwort auf die Fragen: Wie arbeiten Unternehmer und Designer zusammen? Was sind ihre spezifischen Ziele, Erwartungen und Bedürfnisse in der Zusammenarbeit? Wann ist die Zusammenarbeit erfolgreich? Um die Erwartungen und Ziele in diesem wenig erforschten Gebiet herauszuarbeiten wurde die Untersuchung breit angelegt und Positionen der Wirtschaftswissenschaften, Sozialwissenschaften und Designwissen schaften miteinander verbunden.

Mit ihren Ergebnissen trägt die Forschungsarbeit zu einer verbesserten Wahrnehmung und einem leichteren Umgang mit Konflikten zwischen beiden Partnern bei, schafft Transparenz und verändert die Zusammenarbeit in Designprojekten auf nachhaltige Weise. Mit Hilfe der aus der Forschung entwickelten Anwendungs-Scorecards können DesignerInnen sowohl sich selbst, als auch ihre Kunden einschätzen und daraus Kenntnisse über die Haltung, Werte und Bedürfnisse ihrer Kunden allgemein oder eines spezifischen Kunden ableiten. Insgesamt ermöglichen die Ergebnisse dieser Arbeit einen ersten reflektierten Zugang und ein erstes Aufbrechen eines weiten, bisher wenig untersuchten und stark verschlossenen Forschungsfeldes und bringen neue Erkenntnisse in den Forschungsdiskurs ein. Betrachtet man nicht zuletzt die große wirtschaftliche Relevanz der KMU mit einem Anteil von 99,5% aller Unternehmen in Deutschland, so erweist sich – gerade mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und den zunehmenden Wettbewerbsdruck der DesignerInnen – eine verbesserte Zusammenarbeit, insbesondere im Bereich innovativer Entwicklungsarbeit, als eine große wirtschaftliche Chance.

Link zur Veröffentlichung: elpub.bib.uni-wuppertal.de/servlets/DocumentServlet

mail(at)sylkeluetzenkirchen.de
https://www.sylkeluetzenkirchen.de/

Ralf Baarsch

Navigieren in komplexen Ereignisfeldern. Das Entwickeln und Lenken von Design für internationale Automobilmessen

Ralf Baarsch hat am 14.09.2016 seine Dissertation an der Bergischen Universität Wuppertal erfolgreich verteidigt.

Die Arbeit wurde von der Prüfungskommission (Prof. Dr. Brigitte Wolf, Prof. Dr. Christoph Häberle, Prof. Dr. Axel Buether und AR Dr. Daniel Schneider) mit magna cum laude bewertet.

Der designtheoretische Forschungsbeitrag beschäftigt sich mit dem Nachdenken über logische Instrumentarien für Designerinnen und Designer sowie Lenkungsverantwortliche, mit dem Ziel, sich innerhalb komplexer Designprojekte situationsgerechter, ganzheitlicher und strukturierter orientieren zu können.

Ralf Baarsch erforscht das interdisziplinäre Zusammenwirken zwischen Strateginnen und Strategen, Fachvertreterinnen und Fachvertretern sowie Designerinnen und Designern in der Praxis, an Beispielen internationaler Automobilmessen. Für das Navigieren hat er eine 4-stufige Management-Systematik und ein darauf abgestimmtes Kompass-Prinzip entwickelt.

Die vorgeschlagenen Instrumentarien sollen Strateginnen und Strategen, Moderatorinnen und Moderatoren und Lenkungsverantwortliche künftig auch in der Praxis unterstützen, das Nachdenken, Kommunizieren und Handeln beim Lösen komplexer Gestaltungsaufgaben zu fokussieren und so systematischer und integrativer zusammenzuarbeiten.

Sadaf Rostamkhani

Konsumentenorientiertes Design – Die Gestaltung konkurrenzfähiger Produkte im Hinblick auf den iranischen Haushaltsgerätemarkt

Frau Sadaf Rostamkhani hat am 24.09.2015 ihre Dissertation zum Thema „Konsumentenorientiertes Design – Die Gestaltung konkurrenzfähiger Produkte im Hinblick auf den iranischen Haushaltsgerätemarkt“ an der Bergischen Universität Wuppertal erfolgreich verteidigt.

Die Arbeit wurde von der Prüfungskommission (Prof. Dr. Brigitte Wolf, Prof. Dr. Wolfgang Jonas, Prof. Dr. Vahid Choopankareh, Prof. Dr. Dr. h.c. Siegfried Maser und Prof. Dr. Johannes Busmann) mit magna cum laude bewertet.

In ihrer Dissertation geht Frau Rostamkhani der Frage nach, wie die Haushaltsgeräteindustrie als eine der wichtigsten Industrien im Iran gestärkt werden kann. Die aus Teheran stammende Produktdesignerin hat die Anforderungen und Wünsche herausgearbeitet, die iranischen Konsumentinnen und Benutzerinnen an Haushaltsgeräte stellen. Sie hat mit ihren Studien einen tiefen Einblick in die Gewohnheiten und Rituale iranischer Haushalte erhalten. Ihre ‚customer insights’ haben es ihr ermöglicht, die kulturell geprägten Werte und Akzeptanzkriterien zu definieren und aus diesen Erkenntnissen Schlussfolgerungen für eine Erfolg versprechende Designstrategie für die iranische Haushaltsgeräteindustrie abzuleiten.

Doaa El Aidi

Seeing the future through Aesthetics: Sustainable design strategy to tackle poverty in Egypt

Frau Doaa El Aidi hat am 10.07.2015 ihre Dissertation zum Thema „Seeing the future through Aesthetics: Sustainable design strategy to tackle poverty in Egypt“ an der Bergischen Universität Wuppertal erfolgreich verteidigt. Die Arbeit wurde von der Prüfungskommission (Prof. Dr. Brigitte Wolf, Prof. Dr. Wolfgang Jonas, Prof. Dr. Dr. h.c. Siegfried Maser, Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Gui Bonsiepe und Prof. Dr. phil. Axel Buether) mit summa cum laude bewertet.

Frau El Aidi hat in ihrer Dissertation ein sehr prekäres Thema aufgegriffen, das sie theoretisch und empirisch ausführlich analysiert hat. Am Beispiel Ägypten hat sie aufgezeigt, wie der ‚vicious circle‘ der Armut durchbrochen werden kann, indem sie alle Stakeholder in ihren Businessplan einbezogen hat und so eine Win-win-Si­tu­a­ti­on für alle: junge Menschen die heiraten möchten, Handwerker die keine Aufträge haben, Designschulen die den Kontakt zur Realität suchen und Finanziers erarbeitet hat. Frau El Aidi ist inzwischen nach Ägypten zurück gekehrt, wo sie an der Helwan Universität lehrt und ihre Konzepte realisieren wird.

Amanda Queiroz Campos

Unsicherheit und Abhängigkeit

Die Promotion von Amanda Queiroz Campos wurde als Cotutelle Promotion durchgeführt, gemeinsam betreut durch die Bergische Universität Wuppertal und die Universidade Federal de Santa Catarina (UFSC). Die Disputation fand an der Heimatuniversität UFSC in Florianópolis statt. Am 19. Juli 2017 präsentierte Amanda Queiroz Campos ihre Arbeit für etwa 30 Minuten auf Englisch im Auditorium der Bibliothek. Die Disputation wurde öffentlich vor Zuschauern und über ein Live Streaming umgesetzt.

Der Prüfungskommission gehörten an die Professoren: Dr. Luiz Salomão Ribas Gomez (Supervisor/FSC), Dr. Marilia Matos Gonçalves (Prüferin/UFSC), Dr. Brigitte Wolf (Supervisor/Bergische Universität Wuppertal), Dr. Axel Oliver Buether (Prüfer/Bergische Universität Wuppertal) und Dr. Virgínia Souza de Carvalho Borges Kistmann (externe Gutachterin/UFPR/PUCPR).

Die vorgelegte Dissertation analysiert die Rolle von Unternehmen, die sich mit Modetrends beschäftigen – die sogenannten Bureaux de Style. Für die Forschungen wurde ein qualitativer, explorativer und klärender Ansatz ausgewählt. Die Arbeit fokussiert nicht nur die Faktoren und die Beweggründe der Bureaux de Style, sondern auch die Bereitschaft und das Interesse der Modeunternehmen, die Modetrend-Informationen zu erwerben, zu überprüfen und anzuwenden – oder eben nicht anzuwenden.

Die Daten wurden durch theoretische und dokumentarische Feldforschung (Interviews) gesammelt und auf der Grundlage des Kritischen Realismus, der Giddens‘ Perspektive auf Struktur und Agentur sowie der Grounded Theory von Glaser und Strauss analysiert.

Die Dualität „Unsicherheit und Abhängigkeit“ erscheint als maßgeblich in der Beziehung zwischen Bureaux de Style und den Modedesignerinnen und -designern. Die vertraute Abhängigkeit basiert auf einer in der Vergangenheit als erfolgreich erfahrenen Sicherheit, während die Unsicherheit in Bezug auf die Zukunft, insbesondere auf die Unvertrautheit und Unwissenheit, ausgedrückt wird. Trotz der hohen Abonnement-Quoten von Trendberichten seitens Bureaux de Style wird ein Diskurs, der die „Nutzlosigkeit“ von Modetrend-Berichten durchdenkt, ausgeweitet.

Die Art und Weise, wie Modedesignerinnen und -designer mit den von den Bureaux de Style vermittelten Informationen umgehen, zeigt sich in der Nutzung dieser Informationen. Im Ergebnisteil wurde ein Modell skizziert, das wichtige Aspekte der von den Modedesignerinnen und -designern genutzten Modetrend-Informationen zeigt.